Jonas

Jonas fing mit 13 Jahren an, Cannabis zu konsumieren. Der Cannabiskonsum steigerte sich über die Jahre, und andere Drogen kamen hinzu. Meistens punktuell, damit eine andere Wirkung entfaltet wurde.

Ganz schlimm wurde es, als Jonas Benzodiazepine zu sich nahm. Die Tabletten, zusammen mit Alkohol und Cannabis, machten ihn hemmungslos.

Ich weiß, dass jeder von Euch weiß, wie schwer die Jahre der Drogenabhängigkeit zu ertragen sind – oder wie in unserem Fall zu ertragen waren. Ein Wechselbad aus Hoffnung und Verzweiflung. Am schwersten war die Ohnmacht, alles miterleben zu müssen und keinen Einfluss zu haben. Man kann sein eigenes Kind nicht retten, wenn es selbst nicht gerettet werden will. 

Die Nächte waren voller Sorgen, die Tage voller Anspannung. Das Leben war im Ausnahmezustand. 

Trotz aller Gespräche über die Gefahr der schnellen Abhängigkeit von Benzodiazepinen nahm Jonas viele davon täglich. Jonas musste zu dieser Zeit als gerichtliche Auflage regelmäßig zum Urintest, durfte kein Cannabis mehr konsumieren und hatte die Tabletten für sich entdeckt. Diese gab es auf dem Schwarzmarkt und waren wesentlich günstiger als andere Drogen. 

Jonas starb am 21.07.21 – am Tag des Gedenkens an Drogentoten, mit 17 Jahren, durch eine Mischintoxikation. Er schlief abends ein und wachte am nächsten Tag nicht mehr auf. 

Nach Jonas’ Tod begann ich, mich mit Spiritualität zu beschäftigen. Ich hatte vorher schon an ein Leben nach dem Tod geglaubt. Und auf einmal war der Tod da. Der Tod meines Kindes. 

Wir hatten ziemlich schnell zwei Jenseitskontakte mit einem Medium, die so heilsam und hilfreich waren, den Tod besser verstehen zu können und wie es ihm nun in der jenseitigen Welt geht. 

Ich ließ mich jahrelang zum Medium ausbilden und habe über die Jahre immer mehr verinnerlicht, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Beginn einer anderen Daseinsform. Ich habe gelernt, mit Jonas in Verbindung zu treten und eine spürbare Verbindung zu ihm aufzubauen. 

Ich schreibe dies hier, damit diejenigen, denen es helfen kann, verstehen: Unsere Lieben sind noch um uns, und ihnen ist nichts wichtiger, als dass es uns wieder gut geht. 

Ich arbeite von Herzen gerne mit verwaisten Eltern und Angehörigen zusammen – auch in meiner spirituellen Trauerberatung. Die Trauer endet nie, denn Trauer ist Liebe. Aber unsere lieben verstorbenen Kinder möchten weiter an unserem Leben teilnehmen, was sie auch tun, nur sind wir oft nicht offen dafür, weil uns der Schmerz lähmt und taub macht. Wenn wir wieder mehr ins Vertrauen gehen, spüren wir, dass wir nie wirklich voneinander getrennt sind. 

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