Das Bild zeigt Don Quijote als Metapher für den begrenzten Einfluss, den Eltern auf ihre jugendlichen Kinder haben

Kampf gegen Windmühlen

Mein Sohn ist seit dem 17ten Lebensjahr polytox. Seitdem begleiten mich Panik, Schuldgefühle, permanente Sorge, die unterschiedlichsten Versuche, diese Erkrankung zu bekämpfen, Hoffnung und Resignation und eine immer unterschwellige Trauer, selbst in guten Phasen.

In allen Punkten sind Schuldgefühle eines der stärksten Gefühle und daraus resultierende weitere, falsche Verhaltensweisen meinerseits.

Egal was ich mache, egal wie ich reagiere, es geht nichts ohne gleichzeitige Analyse meines Verhaltens und einer anhaltenden Unsicherheit. Und wenn ich das so schreibe, analysiere ich den Text und stelle fest..  alles dreht sich hier um mich und ich frage mich, ist das die Antwort? Hab ich ihn nicht gesehen, war ich zu egoistisch, war ich zu besorgt,  aus Angst ihn zu verlieren? Ich drehe mich im Kreis.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als ein selbstbestimmtes, zufriedenes und entspanntes Leben für mein Kind. Stattdessen sehe ich zu, wie er depressiver wird, wie zerrissen er ist, wie er sich abgehängt fühlt, aber auch wie er immer wieder aufsteht und kämpft.

Als es losging, habe ich alle Verhaltensweisen gezeigt, wie viele von uns Angehörigen.. Suchtberatung, Kontrolle, Hysterie, Verzweiflung, gut zureden  etc. Dann selber psychologische Unterstützung bei der Drogenberatung, dort gehe ich bis heute hin, online Selbsthilfegruppen, Bücher gelesen, Artikel durchforstet, Antworten, Lösungen gesucht.

Es hat alles nix genutzt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, man hat keinen großen Einfluss.

Im Moment ist es ruhiger, er wartet auf eine Therapie. Er bekommt Methadon und nimmt eine kleine Dosis Benzos. Eine, die ein Arzt verschreiben würde, nur, dass er es sich halt selbst verordnet.

Aber das ist besser als die Zeiten, in denen er sich die Hände verbrannt hat, sich während einer seiner Exsesse einen Nerv zerstört hat und sich beim Fallen jetzt nicht mehr abfangen kann oder abgefackelte Bettwäsche und und und..

Mit der Zeit „gewöhnt“ man sich an vieles, zumindest in den ruhigen Zeiten, kann man einigermaßen damit umgehen.

Allerdings ist es sehr schmerzhaft zu sehen, wie das Kind durchgehend leidet, wie zerrissen es sich fühlt, wie abgehängt.
Demnächst will er in Therapie gehen. Zum ersten Mal, wir müssen nur die Monate des Wartens,  die vielen Hürden der Bürokratie aushalten..

Ich würde allen mit der gleichen Sorge gerne sagen, dass alles gut wird, dass sie nur vertrauen müssen… aber ich bin zynisch geworden..
Letzten Endes geht vermutlich jeder anders damit um, im Forum lese ich auch von sehr vielen Betroffenen, mit sehr guten Ansätzen, die Situation zu meistern.

Die Ansichten Anderer zu lesen, das Verstehen und das Teilen ähnlicher Schicksale ist eine hilfreiche Unterstützung, die mir, flapsig gesagt, in den schlimmsten Phasen den Arsch gerettet hat…

Silke