Tim

Ich bin eine verwaiste Mama.

Es ist ein Mittwoch, als die schlimmste Nachricht meines Lebens mich erreicht.

Mittwoch. 7.30h. Es klingelt und ich wache auf. Erst in den frühen Morgenstunden bin ich, wie so oft eingeschlafen, jetzt versuche ich, dieses störende Geräusch zu ignorieren. Es klingelt nochmal und nochmal. Ich stehe auf, gehe in die Küche und schaue, wer vor der Tür steht. Ein Mann und eine Frau. Ich öffne das Fenster. Müde. Frage, ob ich ihnen helfen kann. Sie stellen sich als Polizei vor, fragen, ob ich Frau M. sei. Ich bejahe. Dann die Frage, ob ich die Mutter von Tim L. bin. Auch diese Frage beantworte ich mit ja. Ein seltsames, mir unbekanntes Gefühl kommt in mir hoch. Kein gutes Gefühlt. Hoffnung gepaart mit Angst. Viele Gedanken rasen mir durch den Kopf, keinen kann ich greifen. Mein Kopf funktioniert. Und ich frage, was ist mit meinem Sohn? Innerlich schreit etwas, das sich wie „Sag es nicht, ich will es nicht diese furchtbaren Worte, wissen“ anhört. Und doch kommen sie, die alles verändert haben, mein gesamtes Leben. „Wir müssen ihnen leider mitteilen, dass ihr Sohn verstorben ist“ sagt die Frau. Verstorben? Heißt es denn nicht gestorben? Dann sind sie angekommen, schreckliche Worte sind angekommen, im Gehirn umgesetzt und verstanden. Meine letzte Hoffnung war, ich habe mich verhört. Mein Körper reagiert selbstständig.
Ich hole tief Luft, dreh mich um und, ab da fehlt mir die Erinnerung. Einfach weg, als hätte ich es nie erlebt. Die Erinnerung setzt erst wieder ein, wie ich meinen Mann anrief. Ich wähle. Während das Telefon die Verbindung aufbaut, denke ich, wie sage ich es ihm schonend, wie kann ich ihm schonend beibringen, dass unser Tim nicht mehr nach Hause kommen wird. Nie mehr. Er nimmt ab, begrüßt mich fröhlich Es platzt aus mir heraus, ich kann es nicht zurückhalten, nicht schonend sagen. Tim ist tot, Tim ist tot. Es ist wie ein Schrei, ein Schrei, der sagen will, komm nach Hause, komm zu mir und tu was. Sag mir, dass es dieser berühmte Irrtum ist, dass es nicht wahr ist. Komm und bring mir mein Kind mit. Bring ihn nach Hause, zu mir, seiner Mum. Ich fühle mich machtlos, weiß gar nicht, was ich mit mir anfangen soll. Eine Angst breitet sich in mir aus, Angst vor dem was nun kommt. Ich versuche in mich hineinzuhören. Es gelingt mir nicht.
Tim, was ist passiert, dass du diesen Weg eingeschlagen hast, dass du in dieser Welt deinen Platz nicht gefunden hast, du mit dem Leben nicht zurechtgekommen bist? Warum hast du mich zurückgelassen, allein gelassen?“ Heute, 10 Jahre später hab ich gelernt, mit meinem Verlust zu leben. Heute 10 Jahre später, fehlt mir mein Kindt mein Tim, jede Sekunde meines Lebens. Heute 10 Jahre später kann ich leben, ohne daran zugrunde zu gehen und sagen: Tim, mein Kind, Und trotzdem bin ich stolz auf dich. Danke Tim, für 23 gemeinsame Jahre.