Nachtaufnahme einer Autobahn mit Lichtspuren von Fahrzeugen; darüber steht: „Sucht ist wie eine Autobahn im Kopf. Schnell. Laut. Vertraut.“

Autobahn im Kopf: Suchtgedächtnis verstehen

Warum fällt es so schwer, mit etwas aufzuhören, das uns eigentlich schadet? Die Antwort liegt oft nicht im Willen – sondern in den Wegen, die unser Gehirn gebaut hat. Um das Suchtgedächtnis besser zu verstehen, ist es hilfreich, ein Bild vor Augen zu haben.

Neulich hat mir mein Sohn Luca, der selbst eine Suchterkrankung durchlebt hat, einen interessanten Beitrag von Hagen Decker (Regisseur, Podcaster und selbst Betroffener) geschickt, in dem genau das sehr verständlich erklärt wurde.
Darin wurde beschrieben, dass sich in unserem Gehirn über die Zeit hinweg starke neuronale Verbindungen bilden – schnelle Wege im Kopf, in etwa mit einer mehrspurigen Autobahn zu vergleichen.

Das hat bei mir direkt etwas ausgelöst. Ich habe meinem Sohn daraufhin eine Antwort dazu geschickt: „Autobahn geschlossen“. Luca lebt inzwischen abstinent und hat sich direkt in diesem Bild wiedergefunden.

Wenn ein Suchtmittel Belohnung bringt

Wenn ein Suchtmittel immer wieder Erleichterung oder Belohnung bringt, lernt das Gehirn sehr schnell: Dieser Weg funktioniert! Und von Mal zu Mal wird diese Verbindung stärker.

Einfach aufhören reicht nicht

Darum reicht es bei einer Suchterkrankung nicht aus, einfach zu sagen:

„Dann hör doch auf!“

Denn der Weg daraus bedeutet, auch im Kopf andere Wege zu gehen. Wege, die sich möglicherweise am Anfang langsamer und ungewohnt anfühlen können.

Als ich den Beitrag von Hagen Decker gelesen habe, wurde mir klar, was dieses Bild zum einen für Lucas Weg in die Abstinenz bedeutet, aber zum anderen auch für meine eigene Entscheidung, auf Alkohol zu verzichten.

Die Autobahn für immer schließen

Möglicherweise erscheint es einem manchmal wie ein Nachteil, die Autobahn für immer zu schließen.

Es ist:

Nicht mehr so laut.

Nicht mehr so bunt.

Nicht mehr so schnell.

Aber inzwischen denke ich: Wie gut, dass ich mich dazu entschieden habe, auf die Landstraße abzubiegen. Denn schließlich bekomme ich da viel mehr vom Leben mit.

Fazit: Die Autobahn für immer zu schließen, ist für mich also eine gute Entscheidung.

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