Notfallkoffer

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Erkenntnisse, die helfen, einen Weg aus der Krise zu finden:

  • Ich muss die Last nicht alleine tragen! Unterstützung durch Beratungs- und Hilfeeinrichtungen für mich und mein Kind können mir Last abnehmen. Für mein Kind sind sie oft die besseren Hilfepartner als ich selbst. Für mich gibt es ebenfalls Hilfen, die mir in meiner Lage als Mutter oder Vater zur Verfügung stehen. Einen lebenserfahrenen Rückhalt bekomm ich von anderen Betroffenen. Ich suche mir eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, am besten eine Elterngruppe, wenn es sie in meiner Nähe gibt. Sie kennen die gleichen Ängste, Sorgen und Nöte wie ich.
  • Wenn mein Kind mich bedrängt oder emotional erpresst, darf ich auch nein sagen. Ich kann Entscheidungen vertagen und erst in Ruhe über die aktuelle Situation nachdenken oder mir einen Rat einholen. Ich überlege bevor ich handle, welche Entscheidungen ich durchsetzen kann und will. Ich muss meinem Kind nichts erklären, wenn ich nicht will.
  • Ich versuche, Distanz zu bekommen, die mir Luft zum Atmen lässt. Ich stelle mir vor, was ich meiner besten Freundin in einer solchen Situation raten würde. Das rate ich mir selbst.
  • Ich versuche mich zu beruhigen und Abstand zu gewinnen – auch räumlich. Ich treffe mich mit anderen Menschen, rede mit guten Freunden und spreche mir einfach alles von der Seele.
  • Die Frage „Wer ist daran schuld, dass es so gekommen ist?“ ist nicht relevant. Weder für den Betroffenen noch für uns Eltern. Nützliche Fragen drehen sich darum, was zur Unterstützung unseres Kindes nötig ist und wie wir uns selbst helfen können. Im Austausch mit anderen erfahre ich: Ich darf mir meine Emotionen zugestehen. Ich darf mir Zeit einräumen, das Ganze zu verdauen. Ich darf Arbeit erst einmal liegenlassen, darf mir Freiraum schaffen. Ich muss nicht von mir verlangen, alles einfach so wegzustecken.
  • Ich weiß: Mein Kind ist immer noch mein Kind – und es ist ein Kind mit einem Suchtproblem.  Ich versuche es so anzunehmen, wie es ist in seiner Individualität.
  • Es ist mir klar, dass diese Krise sich nicht von heute auf morgen überwinden lässt.
  • Bei längeren Durststrecken versuche ich, nur für diesen einen Tag zu denken und Inseln der Entspannung in jeden Tag einzubauen, mir möglichst jeden Tag etwas Gutes zu tun. Ich finde heraus, was das ist – ob Kochen oder Waldspaziergang; ob Radeln oder Lesen, Sport machen, Musik hören oder im Chor singen. Ich fülle meine Glücksbox. Ein Tipp aus der Elternselbsthilfe:  Gemeinschaft in einer Gruppe zu erleben und etwas gemeinsam zu „machen“ trägt nachweislich mehr zur Lebenszufriedenheit bei als Entspannung zu „konsumieren“.
  • Sobald ich mich einigermaßen stabil fühle, beginne ich mit meiner persönlichen Analyse: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Ich arbeite daran, wieder zu mir selbst zu finden und meinen Lebensplan aufzuschreiben und umzusetzen. Dabei weiß ich, dass auch ein guter Plan scheitern kann und dies nichts mit persönlichem Versagen zu tun hat.  
  • Darum suche ich mir immer wieder Rückhalt bei anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Eltern empfehlen aber auch, nicht jedem Rat zu folgen, der nicht überzeugt.

Sie raten, dem Bauchgefühl zu trauen – und sich mit anderen betroffenen Eltern austauschen! Jede Kommune hat eine Selbsthilfekontaktstelle, die Auskunft geben kann, ob es eine solche Gruppe vor Ort gibt. Selbsthilfegruppen können auch nach Orten im Internet recherchiert werden (siehe auch Anlaufstellen für Eltern)

Eltern-Selbsthilfe ist Vielfalt ohne Dogma

Alles, was wir als Eltern planen und umsetzen, verändert automatisch die Familiendynamik mit unserem drogenkranken Kind. Über das richtige Vorgehen im Umgang gibt es zwischen uns als Erziehende nicht immer Einigkeit. Wir diskutieren offen miteinander, auch wenn jeder und jede unterschiedliche Herangehensweise und auch Grenzen hat: Wobei unterstütze ich mein Kind, wo bleibe ich außen vor? Was kann ich aushalten, was kann und will ich nicht aushalten?