Motivierende Gesprächsführung mit suchtkranken Kindern – 7 Prinzipien für bessere Gespräche
Die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI) kann Brücken bauen – gerade dann, wenn Gespräche schwierig sind. Entwickelt von William R. Miller und Stephen Rollnick, ist sie eine bewährte Methode, um Veränderungsprozesse zu begleiten – ohne Druck, ohne Überreden, ohne Vorwürfe. Stattdessen hilft sie, Eigenmotivation zu stärken, Ambivalenzen zu erkennen und Vertrauen zu fördern. Besonders im Umgang mit suchtkranken Kindern kann sie eine neue Gesprächsbasis schaffen und Nähe dort ermöglichen, wo zuvor Distanz war.
Wir können unser Kind nicht retten.
Nicht für unser Kind entscheiden.
Nicht seine Kämpfe ausfechten.
Aber wir können mit unserem Sohn oder unserer Tochter sprechen – anders sprechen.
Diese 7 Prinzipien helfen dir, motivierende Gesprächsführung mit deinem suchtkranken Kind anzuwenden und schwierige Gespräche so zu führen, dass sie Nähe schaffen und Veränderung ermöglichen.
7 Prinzipien, um Gespräche mit deinem suchtkranken Kind positiv zu gestalten
1. Zuhören auf Augenhöhe schafft Vertrauen
Ein wertschätzender Austausch stärkt die Verbindung.
Motivierende Gesprächsführung mit suchtkranken Kindern beginnt mit echtem Zuhören. Es bedeutet, dem anderen Raum zu geben, ohne sofort zu bewerten oder Lösungen anzubieten.
Nicht zuhören, um zu antworten, sondern zuhören, um wirklich zu verstehen.
➡️ „Ich frage mich, wie es dir gerade wirklich geht. Magst du erzählen?“
➡️ „Ich höre dir zu, egal, was es ist. Du musst nichts schönreden.“
2. Autonomie respektieren statt Druck auszuüben
Menschen treffen nachhaltigere Entscheidungen, wenn sie diese selbst entwickeln. Offene Fragen helfen, eigene Erkenntnisse zu fördern, statt Lösungen vorzugeben.
➡️ „Was denkst du selbst über deinen Konsum?“
➡️ „Gibt es etwas, das du gerne verändern würdest?“
3. Ambivalenzen erkennen und reflektieren
Suchterkrankungen sind oft von widersprüchlichen Gefühlen geprägt. Indem Eltern auch die vermeintlich positiven Seiten des Konsums ansprechen, ermöglichen sie eine tiefere Reflexion.
➡️ „Was gibt dir die Substanz? Was kostet sie dich?“
➡️ „Was magst du am Konsum? Gibt es auch Dinge, die du daran schwierig findest?“
4. Widerstand nicht bekämpfen, sondern verstehen
Statt auf Konfrontation zu gehen, hilft es, Widerstand anzunehmen. Das Kind kann so seine eigenen Gedanken und Gefühle reflektieren.
➡️ „Ich merke, dass du anders darüber denkst als ich. Was ist dir in diesem Zusammenhang wichtig?“
➡️ „Ich sehe, dass dich das Thema nervt. Wollen wir später noch mal darüber sprechen?“
5. Empathie zeigen, ohne in Mitleid zu verfallen
Mitgefühl ist wichtig, aber zu viel Mitleid kann die Rollenverteilung verzerren. Eltern können unterstützen, sollten aber nicht die ganze Last auf sich nehmen.
➡️ „Ich kann das nicht für dich lösen, aber ich stehe an deiner Seite.“
➡️ „Ich verstehe, dass das schwer für dich ist. Wenn du etwas ändern willst, unterstütze ich dich so gut ich kann.“
6. Widersprüche ansprechen, ohne zu urteilen
Eltern können helfen, Widersprüche zwischen dem aktuellen Verhalten und den eigentlichen Wünschen des Kindes herauszuarbeiten. Das geschieht ohne Bewertung oder Belehrung.
➡️ „Du sagst, du willst dein Studium schaffen – aber merkst auch, dass der Konsum dir im Weg steht. Was denkst du darüber?“
➡️ „Du möchtest dein Leben nicht von Drogen bestimmen lassen – aber es fällt dir schwer aufzuhören. Wie fühlt sich das für dich an?“
7. Selbstvertrauen stärken und positive Schritte fördern
Ein Gefühl der eigenen Handlungsfähigkeit ist ein wichtiger Baustein für Veränderung. Eltern können dies unterstützen, indem sie Zuversicht ausdrücken.
➡️ „Es ist schwer – aber du hast schon andere Herausforderungen gemeistert. Ich glaube an dich.“
➡️ „Was wäre ein kleiner erster Schritt, der sich für dich machbar anfühlt?“
Fazit: Motivierende Gesprächsführung mit suchtkranken Kindern kann Brücken bauen
Kommunikation allein verändert nicht alles. Aber sie kann Brücken bauen. Und manchmal ist genau das entscheidend.
Diese Prinzipien basieren auf der Motivierenden Gesprächsführung nach Miller & Rollnick – einer bewährten Methode, um Veränderungsprozesse zu begleiten, ohne Druck auszuüben.
🔗 Mehr über Motivierende Gesprächsführung erfährst du hier: Offizielle Seite zu Motivational Interviewing
📌 Interner Link-Tipp: Lies auch unseren Artikel zum Thema Umgang mit Schuldgefühlen als Eltern suchtkranker Kinder.