Interview: Petra & Tochter

Für mich ist es ein großes Geschenk, meiner Tochter wirklich auf Augenhöhe zuzuhören. Durch sie habe ich NA (Narcotics Anonymous Selbsthilfe) kennengelernt und erfahren, wie wertvoll gegenseitige Unterstützung sein kann.

Ich habe sie gebeten, mir ein paar Fragen zu NA zu beantworten – und freue mich, ihre Erfahrungen hier mit euch zu teilen.

Wichtig ist ihr der Hinweis: Es sind ihre ganz persönlichen Eindrücke, nicht die offizielle Sicht von NA.

Wie hast du von NA erfahren?

Tochter: Als ich mitbekommen habe, dass ich ein Suchtproblem habe, habe ich das niemandem erzählt.

Und die einzige Person, von der ich wusste, dass sie damit offen umgeht, war mein Tätowierer-Freund. Ich wusste, dass er regelmäßig zu Meetings geht.

Und irgendwann habe ich mich ihm in einer Tattoo-Session geöffnet und gesagt, dass ich glaube, das ich ein Problem habe. Ich bin direkt nach der Session mit ihm zusammen zum ersten Mal zu einem NA-Meeting gegangen.

Später habe auch in der Entgiftung NAler kennengelernt, die sich in der Klinik vorgestellt haben.

Wie war der ersten Kontakt, als du dann selbst mal in der Gruppe warst?

Tochter: Es war erstmal ein bisschen viel für mich – direkt beim Vorlesen der Präambel und „Was ist Sucht“ musste ich weinen, weil ich mich wiedererkannt habe. Es war sehr emotional – erstmal einfach nur zuzuhören, was die anderen geteilt haben. Am Ende sind mehrere Frauen auf mich zugekommen und haben mir ihre Nummer gegeben. Sehr viel später habe ich eine der Nummern auch tatsächlich benutzt und habe eine Frau von damals angerufen. Sie hat mir sehr weitergeholfen.

Durch die Weitergabe der Nummern an Neue fällt es leichter, ein Netzwerk in der Gemeinschaft aufzubauen.

Ist NA eine Sekte ?

Tochter: Nein – der Eindruck entsteht, weil oft das Wort Gott fällt, beispielsweise in der Präambel oder im 12 – Schritte-Programm – aber es geht nicht darum, dass an einen bestimmten Gott geglaubt wird. Man kann für sich frei wählen, ob man eine höhere Macht in der Gemeinschaft oder in der Verbindung mit der Gemeinschaft für sich findet. Ob es wirklich ein christlicher Gott ist oder ein muslimischer, ein buddhistischer oder einer, der gar nicht definiert ist.

Es geht nur darum, dass man selbst nicht in der Lage dazu ist, die Sucht zu kontrollieren und dafür Hilfe braucht von etwas Höherem.

Du kannst auch dabei bleiben, wenn du keinen Glauben hast – man wird trotzdem nicht abgestoßen.

Seit wann gehst du zu den NA Meetings, und was sollte man über die Teilnahme wissen?

Tochter: Vor 3,5 Jahren war ich in meinem ersten NA Meeting, danach eher unregelmäßig.

Seit 8 Monaten gehe ich regelmäßig in die Meetings – mit Pausen, wenn ich nicht clean war. Ich gehe in verschiedene Gruppen in verschiedenen Städten.

Auf der Internetseite findet man die Info, wann wo ein Meeting ist und geht einfach ohne Voranmeldung hin.

Es kostet nichts an NA teilzunehmen. Und du musst nichts versprechen. Du bist Mitglied, wenn du es sagst.

Was hilft dir besonders bei den Treffen?

Tochter: Es hilft mir, weil ich abends oft Suchtdruck habe und ich dann nicht alleine bin. Es hilft mir, weil ich von Leuten sehe, die genauso ein Problem haben wie ich mit Sucht, dass die clean sind und das gibt mir Hoffnung.

In der Entgiftung sehe ich nur Leute, die rückfällig sind nach 8 oder 9 Jahren Cleanzeit – oder auch Leute, die noch nie clean waren.

Es tut gut, mit Leuten am Tisch zu sitzen, die schon lange Cleanzeiten haben und auch diesen Horror hinter sich haben von den ersten schweren Jahren, dann kann man daran glauben, es zu schaffen.

Durch ihre Erfahrung können sie viele Dinge weitergeben, die einem helfen können, beispielsweise eine Stunde zu schaffen, in der man krassen Suchtdruck hat.

Und der Kontakt zu cleanen Leuten hilft, weil man raus aus der Szene kommt oder aus den Freundeskreisen, mit denen man Drogen nimmt.

Es hilft, mit Leuten zusammen zu sein, die auch versuchen clean zu sein und es hilft sehr, dass man die auch anrufen kann.

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Alles wirkliche Leben ist Begegnung.

(Martin Buber)

Und genau das hilft mir im Kontakt mit meiner Tochter!