Ein Referent in einem unserer Online-Meetings schilderte die zentrale Schwierigkeit vieler Eltern suchtkranker Kinder mit diesem einen Satz:
„Eltern pendeln zwischen den beiden Extremen Allmacht und Ohnmacht.“
Doch was hat er damit eigentlich gemeint?
Allmacht
Allmacht ist das Gefühl oder die Vorstellung, alles kontrollieren, beeinflussen oder lösen zu können.
„Ich muss einen Weg finden, mein Kind zum Umdenken zu bewegen.“
„Ich schicke meinem Kind Beiträge oder Botschaften.“
„Ich recherchiere Beratungsstellen und Kliniken.“
Ohnmacht
Ohnmacht ist das Erleben, keinen Einfluss mehr zu haben und einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein.
„Ich habe keinen Zugang mehr zu meinem Kind.“
„Nichts, was ich tue, verändert etwas.“
„Ich weiß einfach nicht mehr weiter.“
„Ich verliere mein Kind an die Sucht.“
Wie kommt es dazu, dass wir zwischen beiden Extremen hin- und herpendeln?
Ohnmacht ist ein Gefühl, das kaum auszuhalten ist. Der verständliche Versuch, wieder Einfluss zu gewinnen, führt viele Eltern zunächst in die Allmacht.
Wir suchen nach Lösungen.
Wir informieren uns.
Wir reden.
Wir hoffen.
Wir kämpfen.
Solange wir das Gefühl haben, noch etwas bewirken zu können, bleiben wir in Bewegung.
Irgendwann kommt bei vielen von uns jedoch der Moment, in dem wir erkennen, dass wir die Entscheidungen unseres Kindes nicht kontrollieren können.
Das Pendel schlägt um.
Aus Allmacht wird Ohnmacht.
Pendeln zwischen zwei Extremen
Das eigentliche Problem ist jedoch nicht nur die Allmacht. Und auch nicht nur die Ohnmacht. Sondern das ständige Pendeln zwischen beiden.
Mal schöpfen wir Hoffnung und glauben, etwas verändern zu können.
Mal erleben wir neue Hilflosigkeit und Verzweiflung.
Unsere Gedanken, unsere Gefühle und oft auch unser Handeln werden von den Entscheidungen unseres Kindes bestimmt.
Einen festen Stand zu finden, wird dadurch unglaublich schwer.
Und genau dieses ständige Pendeln kostet Kraft.
Es lässt uns immer wieder reagieren, statt aus einer eigenen Haltung heraus zu handeln.

Hallo ich habe einen suchtkranken Sohn (18), nimmt seit 2 Jahren Cannabis u.a. Drogen. Schulabbruch, Verlust der Lehrstelle etc. Wohnt noch zu Hause, bekommt nur essen und Internet, kein Geld. Arbeitet nicht, verweigert Drogenberatung. Sollte man ihn „rausswerfen“? Da ist das Thema „Ohnmacht“. Wo geht er dann hin? Zu denen die noch schlimmere Drogen nehmen (Heroin). Da habe ich Angst vor. Er ist so dünn und isst so wenig. Wohnung bekommt er ja nicht, hat ja kein Geld. Aber so geht es seit 2 Jahren nicht weiter und wir drehen uns im Kreis. Wie sind eure Erfahrungen? Liebe Grüsse A.
Zum Thema Macht/Ohnmacht s. unten – Wenn ich hier lese, wie Kinder an Drogen gestorben sind – das Jugendamt hat gesagt, wir sollen unseren Sohn rauswerfen. (er ist 18) Wenn er aber noch zu Hause wohnt, habe ich zumindest das Gefühl, ich sehe ihn noch, wenn er mal eine Überdosis nehmen sollte und kann noch helfen und er wird nicht erst Tage später gefunden. Auch wenn ich mir das nur einbilde und in Wirklichkeit gar nichts tun kann… Aber ich habe so Angst dass er stirbt und liege oft Nachts wach und kann nicht schlafen. Meinen Beruf kann ich auch nicht mehr ausüben deswegen Lg Annette.
Hallo liebe Annette, ich kann dich sehr gut verstehen. Genau diese Situationen kennen viele von uns. Gedanken und Ängste beschäftigen uns zu manchen Zeiten Tag und Nacht. Die Sucht nimmt auch in unserem Leben einen riesigen Raum ein. Wir möchten helfen und können es nicht, weil die Veränderungsmotivation aus unseren Kindern selbst entstehen muss. Das ist wahnsinnig schwer zu akzeptieren und so versuchen wir alles, um ein Umdenken zu erreichen und merken oft erst später, wie wir uns selbst immer mehr verlieren.
Aus dieser Schleife herauszukommen und einen guten Umgang mit diesen Herausforderungen zu finden, schafft man nicht von heute auf morgen. Sei geduldig mit dir und auch mit deinem Kind. Auf unserer Seite Elternhilfe —> https://elternsuchtkrankerkinder.de/elternhilfe/ findest du viele Anregungen, was du für dich oder im Umgang mit deinem Kind verändern kannst, damit die Last weniger wird. Es tut auch gut, sich mit anderen in ähnlicher Situation auszutauschen, in Elternkreisen, in online Austauschtreffen – siehe Termine auf unserer Seite – oder auch in unserem geschützten Forum. Zu spüren, dass man nicht allein ist mit diesen Problemen entlastet und die Geschichten der anderen zu hören, und sich das daraus mitzunehmen, was für einen selbst umsetzbar ist, eröffnet neue Wege. Ich wünschen dir von Herzen alles Liebe. Gib die Hoffnung nicht auf. Viele Grüße, Barbara