
atmen das Schweigen | zerborstenes Herz | bunte Farben tanzen mit dem Zweifel | geborgen in den Armen der Zerbrechlichkeit | spüren die lärmende Stille | sein dürfen wer man ist. (Annabelle Schickentanz)
Ich bin psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis und behandele nahezu ausschließlich psychisch erkrankte Angehörige von suchtkranken Personen. Aktuell veröffentliche ich mein viertes Fachbuch zum Angehörigenthema, unterhalte eine Website – co-abhaengig.de – und engagiere mich auch sonst in der Angelegenheit mit Artikeln, Workshops und Fortbildungen, Interviews, Podcasts etc.
Dieses Engagement für Angehörige von suchtkranken Personen ist für mich eine Notwendigkeit, welche grob zwei Motive hat: Zum einen bin ich selbst familiär betroffen. Mein Vater war Überlebender einer Suchtfamilie.
Typisch für Kinder aus Suchtfamilien konnte er zeit seines Lebens nicht sprechen, sich nicht fühlen und hat sich wenig zugetraut. Als sein Sohn war ich davon geprägt, konnte selbst als junger Mann nicht sprechen und fühlen. Anders als mein Vater habe ich mich hingegen getraut, mich auf den Weg zu machen und mir selbst zu helfen. Deswegen bin ich Psychologe und Psychotherapeut geworden, um sprechen, fühlen und leben zu lernen.
Zum anderen ist unser Hilfesystem – im Besonderen das Suchtselbsthilfesystem und auch die Selbsthilfe – zum Himmel schreiend ungerecht aufgestellt. Nahezu jegliche Hilfe und fast alle personellen und finanziellen Ressourcen sind für die suchtkranken Personen reserviert, die Angehörigen hingegen werden vergessen und vernachlässigt. Angehörige sind durch vielfältige psychosoziale Probleme und auch psychische Erkrankungen selbst betroffen und hilfebedürftig. Diese tragische Schieflage will ich durch mein Engagement ein wenig geraderücken.
Psychotherapie ist ausschließlich Hilfe zur Selbsthilfe. Sie ist die einzige, wirksame Form, sich selbst und anderen zu helfen. Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet, Raum zu geben, damit wir uns gegenseitig und miteinander erfahren und entfalten können. Dies ist der Grund und das Ziel, dass ich Selbsthilfe – über meine professionelle Tätigkeit hinaus – von Herzen unterstütze, so viel und gut ich kann. Deswegen und wegen der Bedeutsamkeit der Angehörigenthematik sowie der gesellschaftlichen Schieflage seid ihr von elsuki und auch arwed e.V. so wertvoll.
Jens Flassbeck
