Einige von uns haben das Buch „Kokainjahre“ gelesen. Das Buch hat uns noch lange beschäftigt.
Und wie so oft entstehen gerade dann neue Fragen.
Fragen nach den Gedanken und Gefühlen hinter der Geschichte.
Marina hat sie sehr offen beantwortet. Daraus ist eine kleine Serie mit persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnissen entstanden, die wir nach und nach hier einstellen werden.
Die Hoffnung, dass es vorübergeht
Sehr lange habe ich mit niemandem darüber gesprochen, was bei uns los ist. Auch im Freundeskreis nicht. Und schon gar nicht bei der Arbeit.
Lange Zeit gingen wir ja davon aus, dass es sich bei Benedict um eine vorübergehende «Phase» handelt.
Reaktionen von Familie und Freunden
Erst als Benedict in die erste Langzeittherapie eintrat, haben wir unsere erweiterte Familie informiert. Alle waren zwar geschockt, reagierten insgesamt aber verständnisvoll, wenngleich auch unbeholfen, indem sie Durchhalteparolen und dergleichen formulierten.
Wie hätten sie auch anders reagieren können, wenn Suchterkrankungen in breiten Kreisen immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet sind?
Ein offener Umgang fiel mir schwer
Auch danach fiel es mir in vielen Situationen schwer, offen mit den Menschen in unserem Umfeld umzugehen. Jede Frage nach unserem Befinden bedeutete für mich großen Stress, weil ich das Thema so rasch wie möglich wechseln wollte.
Und dann waren da auch die vielen Notlügen, zu denen ich greifen musste, wenn Freunde bei uns
vorbeikommen wollten, oder wenn wir Einladungen erhielten.
Würde ich mich heute anders verhalten?
Ich weiß es nicht.
Solange suchtkranke Menschen gesellschaftlich stigmatisiert werden, würde ich auch heute gut überlegen, wem ich von der Suchterkrankung erzähle, wann und in welcher Form.
Die Sucht des eigenen Kindes aber vollständig zu verheimlichen, wie wir dies taten,
verstärkt das Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit und der Einsamkeit zusätzlich.
