Eine Frau wandert in einer Berglandschaft. Darüber steht der Text: 5 Jahre....

Aus der Einsamkeit in die Verbindung


5 Jahre lang hatte ich keine Gleichgesinnten,  mit denen ich sprechen konnte über die Suchterkrankung meines Sohnes. Da waren keine anderen Eltern,  welche betroffen waren.

Ich besuchte die Suchtberatung, ja. Ich erhielt Tipps in meinem direkten Familien und Freundes Umfeld. Wie es mir aber als Mutter innerlich geht,  dass ein Stück meines Herzens sich da draußen selbst gegen die Wand fährt und ich macht- und hilflos dem gegenüber stehe, das verstand keiner, wie auch. Und ich habe ein tolles Familien- und Freundesumfeld, für welches ich sehr dankbar bin.

Vor Ort gab es auch keine Selbsthilfe Gruppen.

Ein erster Schritt aus der Einsamkeit

Irgendwann googelte ich Eltern- bzw Selbsthilfegruppen und fand Elsuki.

Dort gibt es auch ein Forum,  in welchem man anonym schreiben kann.

Dass es Menschen gibt, welche aktiv werden und sich um eben solche Selbsthilfegruppen kümmern, sie gründen und teilen,  Foren verwalten und anbieten,  dafür bin ich sehr dankbar. 

Als ich Elsuki fand und mir im Forum die Geschichten durchlas,  brachen erstmal sämtliche Dämme. All die Last, welche alleine auf meinen Schultern lastet und mir im wahrsten Sinne des Wortes oft den Atem nahm, brach über mir zusammen. 

Ich konnte jede Menge Schmerz zulassen und fühlen ohne dass ich unter der Last zerbrach. Es gibt einfach Themen, über die man bzw ich anfänglich nicht gut sprechen und sie benennen konnte.  

Erster nächster Lichtblick – persönlicher Kontakt

Schon nach kurzer Zeit meldete sich über das Forum eine Mama bei mir, deren Sohn ebenfalls betroffen ist. Dass ich im Forum jemand fand,  der direkt „ums Eck“ wohnt, war natürlich ein Glückstreffer. Sie wohnt in meiner Nähe, uns trennen nur 20 km und eine 20 minütige Autofahrt. Wir verabredeten uns zum Kennenlernen. Mit der Zeit trafen wir uns regelmäßiger und aktuell sogar 1 bis 2 mal in der Woche. Wir gehen spazieren oder schwimmen oder einfach nur einen Kaffee trinken.
Der direkte 1 zu 1 Austausch wenn akut etwas ist, was einen einfach beschäftigt und man anderen, nicht Betroffenen, kaum noch zumuten kann, hilft mir wieder besser zu atmen. 

Beim Schwimmen zieht sie mich mit. Sie meldet sich regelmäßig,  auch oft kurzfristig:“ Bist du arbeiten oder hast du heute frei?  Allez, dann komm ab ein paar Bahnen schwimmen,  unter 1000 Meter läuft nichts „

Dabei ist es egal, wie wir gerade aussehen, wie wir uns fühlen oder ob wir geistig auch mal abschweifen oder abwesend wirken. Wir können genauso sein,wie wir sind. Wir sind gesehen, anerkannt und wertfrei und können über das sprechen was uns wirklich beschäftigt und was für andere vermutlich wie ein schlechter Krimi klingen könnte oder was andere garnicht mehr hören wollen.

Ich kann sein wie ich bin

Manchmal müssen wir sogar kurz über die skurrilen Vorkommnisse lachen, auch wenn sie natürlich alles andere als lustig sind. Und alleine dass wir das können und es gegenseitig Halt gibt ist viel Wert und fühlt sich gut an und hilft auch.

Außerdem stellen wir uns gegenseitig Fragen zur Unterstützung bei uns selbst zu bleiben.

 Ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben und sie ist mir eine wichtige Freundin geworden, die ich nicht mehr missen möchte.

Mein Rettungsanker

Der Austausch mit Menschen, die Ähnliches durchleben bezüglich der Suchterkrankung eines Kindes ist von großem Wert.

Und nicht nur das: Auch all die Informationen, vor allem fachlicher Herkunft, helfen sehr sich selber und auch die Suchterkrankung zu verstehen. 
Egal ob Bücher wie „Kokainjahre“ von Marina Jung, „Das ist nur eine Phase, oder? “ von Ruben Deckwerth oder weiteren Accounts in den sozialen Medien, all das brachte Elsuki und das Forum für mich ins Rollen.
Ich komme wieder mehr bei mir selber an.
Ich kann Tage genießen,  wieder atmen ohne Not und fühle mich gestärkt für alles was noch kommen mag. Das Ohnmachtsgefühl weicht oft völliger Akzeptanz.

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